30 Jahre Bierseidel: Ein Jubiläumswochenende voller Go, Begegnungen und guter Stimmung
30 Jahre Bierseidel-Go-Turnier – das allein wäre schon ein Grund zum Feiern. Und das Jubiläumswochenende im Pelkovenschlössl hat einmal mehr gezeigt, warum dieses Turnier einen festen Platz im Kalender der bayerischen Go-Community hat. Starke Partien, internationale Gäste, ein spannender Kampf um den Turniersieg und die Bayerische Meisterschaft – vor allem aber viele Begegnungen, Gespräche und eine wunderbar freundschaftliche Atmosphäre machten das Wochenende zu einem ganz besonderen Go-Fest.
30 Jahre Bierseidel – und noch lange nicht genug
Seit drei Jahrzehnten gehört das Bierseidel-Go-Turnier zu den festen Größen der bayerischen Go-Szene. Zum 30. Jubiläum kehrte das Turnier wieder ins Pelkovenschlössl zurück und bot alles, was man sich von einem gelungenen Go-Wochenende wünschen kann: spannende Partien, ambitionierten Sport, Gelegenheit zum Lernen und Analysieren – und natürlich jede Menge Zeit, alte Freunde wiederzutreffen und neue Bekanntschaften zu schließen.
Denn genau das macht den besonderen Charakter des Bierseidels aus. Zwischen den Runden wurde nicht einfach nur auf die nächste Partie gewartet. An vielen Brettern wurden gerade gespielte Partien gemeinsam analysiert, andere nutzten die Zeit für Freundschaftsspiele. Und natürlich wurde mindestens genauso viel geredet, gelacht und diskutiert. Das Bierseidel ist eben nicht nur ein Turnier. Es ist ein Treffpunkt der Go-Community.
Xiong Zhiye gewinnt das Jubiläumsturnier
Sportlich hatte das Jubiläum ebenfalls einiges zu bieten. Den ersten Platz im Hauptturnier sicherte sich Xiong Zhiye (4 Dan) aus Augsburg. Mit vier Siegen und einem Jigo (Unentschieden) blieb er ungeschlagen und setzte sich damit an die Spitze des internationalen Teilnehmerfeldes. Den zweiten Platz belegte Shin Young-Soo (7 Dan) aus Seoul. Der koreanische Spitzenspieler befand sich auf einer Europareise und ließ es sich nicht nehmen, dem Bierseidel-Turnier einen Besuch abzustatten. Mit ebenfalls vier Siegen und einem Jigo erreichte auch er eine beeindruckende Bilanz. Auf Platz drei landete Pang-Cheng Wu (3 Dan) aus Zürich, der drei Siege für sich verbuchen konnte.
Damit standen am Ende drei Spieler aus drei verschiedenen Go-Regionen beziehungsweise -Städten auf dem Podium – ein schönes Zeichen für die überregionale und internationale Bedeutung des Bierseidels.
Eine besondere Anerkennung erhielten außerdem – völlig zurecht – Juliane Häublein, Taito Donner, Joachim Bitzer und Camillo Bauer, die jeweils vier ihrer fünf gespielten Partien für sich entscheiden konnten.
Bayerischer Meister bleibt Jonas Fincke
Im Rahmen des Bierseidel-Turniers wurde gleichzeitig die Bayerische Go-Meisterschaft ausgetragen. Bayerischer Meister wurde Jonas Fincke (4 Dan). Als bestplatzierter Spieler unter den Mitgliedern des Bayerischen Go-Vereins konnte der Titelverteidiger seinen Erfolg aus dem Vorjahr wiederholen. Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Titelverteidigung!
Vom siebenjährigen Nachwuchsspieler bis zum 91-jährigen Teilnehmer
Das Turnier bot auch eine außergewöhnliche Altersspanne. Mit Taito Donner (7) war der jüngste Teilnehmer gerade einmal sieben Jahre alt. Gleichzeitig trat Joachim Bitzer (91) im Hauptturnier an. Zwischen den beiden lagen damit stolze 84 Jahre. Kaum etwas könnte besser zeigen, wie generationenübergreifend Go sein kann: Ein Brett, 19 mal 19 Linien und ein Spiel, das Menschen unabhängig vom Alter zusammenbringt.
Detaillierte Ergebnisse finden sich hier (klicken) »
Das Brezen-Turnier: Go für alle
Parallel zum Hauptturnier fand in diesem Jahr wieder das Brezen-Turnier statt. Dabei handelt es sich bewusst nicht um ein offizielles Wertungsturnier, sondern um ein Freundschaftsturnier, bei dem vor allem der Spaß am Spiel und das Sammeln von Erfahrung im Vordergrund stehen. Gespielt wurde auf 9×9-Brettern im klassischen Leiterformat. Gerade für Anfängerinnen und Anfänger sowie Spielerinnen und Spieler mit weniger Erfahrung bietet dieses Format eine schöne Gelegenheit, sich ohne großen Druck an Turniersituationen heranzutasten.
Den ersten Platz belegte Litao Mei (11 Jahre), gefolgt von Taito Donner (7), Tarmo Donner (9) und Marco Cianfarani (9). Taito, Tarmo und Marco sind dabei keine Unerfahrenen. Sie gehören zum Go-Team der Schwindschule München, das auf dem Hans Pietsch Memorial den dritten Platz erkämpfen konnte – das beste Ergebnis, das je eine Grundschule erreicht hat.
Die Organisation des Brezen-Turniers übernahm Peter Werner.
Jubiläums-Shirts und besondere Preise
Auch optisch wurde das 30. Bierseidel besonders gewürdigt. Zum Jubiläum wurde ein neues Turnier-Logo entworfen, das eigens angefertigte T-Shirts ziert. Wer eines der Jubiläums-Shirts erwarb und es während des Turniers trug, erhielt als zusätzlichen Anreiz einen Rabatt auf die Anmeldegebühr. (Die Shirts sind noch bis Ende dieser Woche (also bis zum 11.10.26) hier in unserem Shop erhältlich. Wer also noch keines hat, sich aber ein Andenken sichern möchte, sollte sich beeilen.)
Eine besondere Überraschung gab es für die drei bestplatzierten Spieler des Hauptturniers: Sie erhielten jeweils ein individuell gestaltetes Sieger-Shirt. So bleibt das Jubiläum nicht nur auf dem Ergebniszettel, sondern auch als tragbare Erinnerung an das 30. Bierseidel erhalten.
Eine Organisation, auf die Verlass ist
Ein Turnier dieser Größe und Tradition funktioniert natürlich nicht von selbst. Hinter den Kulissen waren zahlreiche Menschen im Einsatz, damit die Spielerinnen und Spieler sich ganz auf ihre Partien konzentrieren konnten.
Die Gesamtorganisation lag erneut in den bewährten Händen von Georg Mischler, der das Bierseidel seit vielen Jahren mit großem Engagement leitet und damit wesentlich zum Erfolg des Turniers beiträgt.
Thomas Kettenring und Gideon Schafroth kümmerten sich um Anmeldung, Partie-Paarungen und Ergebnisverwaltung. Das Schiedsgericht übernahmen Jonas Finke und Wolfgang Werner. Auch Peter Werner leistete mit der Organisation des Brezen-Turniers einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Wochenendes.
Und darüber hinaus waren zahlreiche Helferinnen und Helfer im Einsatz – beim Auf- und Abbau, bei der Vorbereitung von Speisen und Kuchen und bei vielen kleinen Aufgaben, die ein solches Wochenende erst möglich machen.
An dieser Stelle deshalb ein ganz großes Dankeschön an alle, die mit angepackt haben!
Wer gut spielt, muss auch gut essen
Dass beim Bierseidel nicht nur das Go-Brett eine wichtige Rolle spielt, ist inzwischen gute Tradition. Für die Verpflegung sorgten Susanne Seyb und ihr Mann Benno, unterstützt von der langjährigen guten Seele der Küche – Georg’s Partnerin Iryna Kononovych.
Und das kulinarische Angebot konnte sich wirklich sehen lassen. Neben warmen Hauptgerichten wie Thai-Curry, Chili sin Carne und Spaghetti gab es für den kleinen Hunger zwischendurch Leberkäs-Semmeln und verschieden belegte Brötchen. Dazu kamen zahlreiche selbstgebackene Kuchen.
Auch am Sonntagmorgen war für einen guten Start in den Turniertag gesorgt: Weißwürste und vegetarische Würstchen standen zum Frühstück bereit.
Kaffee und Tee gab es – wie immer – zu einem günstigen Flatrate-Preis, dazu eine Auswahl an Kaltgetränken. Wer also zwischen zwei Partien eine kleine Stärkung brauchte, musste nicht weit gehen.
Zwischen den Partien ist Zeit für Begegnungen
Vielleicht ist genau das eine der größten Stärken des Bierseidels: Es gibt genügend Raum für all das, was ein Turnier zu einem echten Gemeinschaftserlebnis macht.
Natürlich möchte jeder seine Partien gewinnen. Man konzentriert sich, liest Varianten, freut sich über einen guten Zug und ärgert sich vielleicht über einen Fehler. Aber sobald die Partie vorbei ist, wird gemeinsam analysiert, diskutiert und gelacht. Alte Bekannte treffen sich nach langer Zeit wieder. Spielerinnen und Spieler, die sich bisher nur online kannten, sitzen plötzlich gemeinsam am Brett. Und neben den ernsthaften Turnierpartien entstehen Freundschaftsspiele, spontane Analysen und Gespräche über Go – und natürlich über alles Mögliche, was darüber hinaus noch interessiert.
Genau diese Mischung aus sportlichem Anspruch und persönlicher Begegnung macht das Bierseidel so besonders.
Ein Jubiläum, das Lust auf mehr macht
Das 30. Bierseidel war damit nicht nur ein würdiges Jubiläum eines traditionsreichen Turniers, sondern vor allem ein großartiges Wochenende für die Go-Community. Herzlichen Glückwunsch an Xiong Zhiye zum Turniersieg, an Jonas Finke zur erfolgreichen Titelverteidigung und natürlich an alle Spielerinnen und Spieler, die mit ihren Partien zum Turnier beigetragen haben.
Ein ebenso großer Dank gilt dem gesamten Organisationsteam und allen Helferinnen und Helfern, die mit ihrem Einsatz dafür gesorgt haben, dass am Ende nicht nur die Ergebnisse stimmten, sondern sich alle Beteiligten im Pelkovenschlössl wohlfühlen konnten.
Nach 30 Ausgaben darf man deshalb durchaus sagen: Das Bierseidel hat Tradition – aber es wirkt alles andere als alt. Es ist lebendig, international, sportlich und vor allem ein wunderbarer Treffpunkt für Menschen, die eines verbindet: die Begeisterung für Go.
Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr – dann mit der 31. Ausgabe des Bierseidels!
Frank Bittner

Turniersieger Xiong Zhiye (4 Dan) aus Augsburg, Shin Young-Soo (7 Dan) aus Seoul (2.) und Pang-Cheng Wu (3 Dan) aus Zürich (3.)

Jonas Fincke (4 Dan, rechts im Bild) – Bayerischer Meister

3 Spieler gewannen 4 von 5 gespielten Partien. Von links nach rechts: Juliane Häublein, Georg Mischler (Turnier-Organisator), Taito Donner und Joachim Bitzer

Brezen-Turnier – von links nach rechts: Peter Werner (Organisator), Marco Cianfarani (4.), Tarmo Donner (3.) und Taito Donner (2.)
Impressionen vom Turnier-Wochenende









